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| Die
Wurzeln des Gasteiner Krampusbrauches, beziehungsweise die der Gasteiner
Perchten sind die gleichen, wie sie es für ähnliche Krampusbräuche
im gesamten Bereich der Alpen sind. Die Besonderheit des Gasteiner Krampusbrauches
liegt darin, daß sich an kaum einem anderen Ort der Brauch so
ursprünglich erhalten hat wie hier. |
| Erst
zu dieser Zeit kam der Nikolaus zum Krampus. Bis dahin waren die „Urpassen“
ohne diese Figuren unterwegs. Als gesichert gilt, daß der Termin
der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember als 1. Rauhnacht auf haidnische
Wurzeln zurück geht. Heute kennen wir alle den 6. Dezember als
Nikloaustag (auch Namenstag). |
| Die
Rauhnächte waren immer von Lärm begleitet, um die bösen
Geister zu scheuchen und die schlummernden Kräfte der Natur zu
wecken. Weitere noch lebendige Bräuche sind das „Rach´n
geh“ und die „Thomaschneid“. Hierbei ist anzumerken, dass der Krampusbrauch, im Gegensatz zu den Perchten, vor der Wintersonnenwende gebräuchlich wurde. |

| damit
die Verdrängung des nicht christlichen bei der Bevölkerung
leichter von Statten ging. Eben dies geschah auch beim Termin des Kramperlgeh,
der seit damals im Kalender als Nikolaustag steht. |
| Diese
Maske stammt aus dem 18. Jahrhundert. Diese Masken werden zum Teil als
die historischen Vorgänger der Krampusmasken gesehen. Jedoch ist
anzunehmen, daß schon in viel früherer Zeit krampusähnliche
Masken verwendet wurden. Diese waren jedoch sicherlich noch viel einfacher
gefertigt, da die Werkzeuge noch nicht so zu Verfügung standen. |

| Bei
vielen Krampusläufen in anderen Orten wird inzwischen völlig
auf die Figur des Nikolaus und des Engerls verzichtet, beziehungsweise
diesen so zentralen Figuren nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegensatz
dazu steht Gastein, und auch Matrei, wo die Nikolausfigur und die Engerlsfigur
noch Teil des aktiv gelebten Brauches sind. |
| eventuell
reifte die Gasteiner Bevölkerung zwangsmäßig schneller,
und kamen rascher unter Druck ihre eigene Identität zu behaupten. |

| Die
Menschen mußten ein vom Krieg zerstörtes Land wieder aufbauen,
Lebensmittel und Wohlstand waren rar. Unter diesen Umständen wurde
das Kramperlgeh teilweise zu einer willkommenen Gelegenheit sich einiger
Schmankerl zu bereichern. |
| Das
Bild des Gasteiner Krampus wandelte sich und bekam eine eigene Charakteristik,
die sich durch die großen Köpfe bestückt mit einer Unzahl
an Hörnern und die Mäntel auszeichnete. Man könnte auch
sagen, daß es in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts
zu einer Blütezeit des Krampusbrauches kam. Dies bescherte dem
Krampusbrauch ein gesteigertes Wertgefühl und hat wohl die Akzeptanz
in allen sozialen Schichten nachhaltig vergrößert. |

| Schon
zu Zeiten der Paradeispiele (belegt durch etliche Chroniken)
war eine deutliche Machtausübung bei den Nikolausauftritten zu
erkennen. Dieses Machtinstrument bekam besondere Bedeutung nach der
Gegenreform, in der Zeit, in der die katholische Kirche mögliche
Protestanten dingfest machen wollte. Die umherziehenden Nikoläuse
waren durchwegs sehr kirchennah. Durch sie gelang es der Kirche, sich
ein genaues Bild über den Pöbel machen zu können. Die
Belohnung für die Besuchten gab es erst nach brav zitierten Vaterunser
usw.. Mit diesem „Lauschangriff“ als Geheimauftrag war der
Nikolo nicht von Haus aus der Gute, schon gar nicht wenn in so mancher
Stube über den pompös lebenden Klerus so manch Unkenruf erschallte. |
| Das
Fehlen der Engelsfigur in den meisten Gasteiner Passen führt zu
einer Doppelbelastung für die Nikolausfigur, da diese dadurch richten,
strafen lassen und belohnen muß. Eine ähnliche Verschiebung
der Bedeutung einer Figur entstand nun auch beim Krampus, da mancher
sich schon etliche Gebete rezitieren ließ. Die Aufgabe des Krampus
ist es, das Urteil des Nikolaus „zu vollstrecken“, nicht
zu richten. Jene Kinder, die beim Engerl Zuflucht finden, sind somit
als „strafbefreit“ zu betrachten. |

| Da
der Brauch nicht statisch, sondern lebendig ist, ist eine gewisse Weiterentwicklung
eine logische Konsequenz. In den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts
wurde dies offensichtlich durch die schon bodenlangen Mäntel und
das Akzeptieren weiblicher Passenmitglieder. Eine wesentliche Rolle
in der Sache der „Kramperl-Emanzipation“ spielten die Jaga-Rosl
mit der Jagapass und die Gold-Pass aus Badgastein, die eine der ersten
mit weiblichen Nikolaus waren. |
| das
Angleichen an außergasteinerische Verhältnisse geht voran,
da der Mantel nur mehr in Gastein verwendet wird.Dadurch kann man den
Mantel inzwischen als typisch Gasteinerisches Krampusmerkmal verstehen.
Der selbe Trend ist bei den Köpfen erkennbar. |

| Einige
vereinzelte gingen und gehen nun den Weg zum goaßernen Hosenanzug,
wahrscheinlich um sich von der Masse abzuheben. Inzwischen sind immer
mehr goaßerne Hosenanzüge zwischen 3. und 6. Dezember auf
Gasteins Straßen zu sehen. |
| Der
Umstand, daß der Brauch in Gastein noch immer dem Prinzip des
alten Heischebrauch folgt, macht ihn wohl so besonders interessant.
Und die Freude und Emotionen, die bei diesem Brauch noch immer frei
werden, sind wohl für jeden Aktiven ein besonderer Ansporn. |

| In den letzten Jahren ist allerdings ein verstärkter Drang zu kommerziellen Veranstaltungen wie der Höllenrummel in Bad Gastein, das Krampuszelt in Dorfgastein und dem Großkränzchen im Hofgasteiner Kursaal zu erkennen. Ein weiteres, für manchen bedenkliches, Novum ist, dass seit dem Jahre 2003 auch Werbeschriften im Wetterpanorama eingeschaltet werden. So werden auch in Bad Hofgastein wieder Anstrengungen unternommen, um den Ortskern zu „Krampus-Beleben“ und der touristischen Vermarktung zuzuführen. Ob dies dem Brauch dienlich ist, und ob dies von den einzelnen Passen unterstützt wird, wird die Zukunft zeigen. |




| Eine
weitere Besonderheit Gasteins ist seine Geschichte als Weltkurort. Sowohl
Badgastein wie auch Bad Hofgastein erfuhren starke Einflüße
durch den bereits im Mittelalter aufkeimenden „Thermaltourismus“.
Eine sehr auffallende Gegebenheit! Mit Hausverstand gedacht, müßte
man doch davon ausgehen, daß ein schon sehr früher Fremdeinfluß
Bräuche nachhaltig verändert. Doch dies ist offenbar nicht
der Fall, da sich zum Beispiel der Krampuslauf in St. Johann oder Großarl
bereits sehr stark vom ürsprünglichen, in der Stub´n
statt findenden Heischebrauch entfernt hat, obwohl diese Orte über
ähnliche historische Brauchtumswurzeln (Foto) verfügen. |